Auszug aus Kapitel 3


Vorbereitung auf den Tod eines geliebten Menschen oder Patienten

Der unmittelbar bevorstehende Tod eines geliebten Menschen ist oft eine emotional schwierige Zeit, aber es kann helfen, mit den Geschehnissen umzugehen, wenn wir wissen, womit wir rechnen können.
Die Zeit des aktiven Sterbens
beginnt, wenn die Organe ihre Funktion nicht länger aufrechterhalten können, und das Bewusstsein sich vom physischen Körper in seiner Auflösung trennt.

Die körperlichen und emotional- spirituellen- seelischen Anzeichen und Symptome des nahe bevorstehenden Todes, die hier beschrieben werden, sind als Hilfe für Familien und Pflegeberufe gedacht, um die natürlichen Arten von Veränderungen besser zu verstehen, die vielleicht während des Sterbeprozesses geschehen, und wie wir am besten darauf eingehen, in der Hoffnung, dass diese Informationen etwas von der natürlichen Angst und der Hilflosigkeit auflösen können, die oft auftreten, wenn wir einen sterbenden Menschen bis zum Tod begleiten.

Wir wollen verstehen, was in Einklang mit den Werten, Überzeugungen und dem Lebensstil des individuellen Menschen im Sterben geschehen kann, und wie wir den Übergang begleiten können.
Nicht alle diese Zeichen und Symptome werden bei jedem geschehen, und sie werden auch nicht in dieser Reihenfolge geschehen. Jeder Mensch ist einzigartig und muss diese Dinge auf seine/ ihre eigene Weise tun. Der Körper bereitet sich auf die letzten Tage auf folgende Weise vor:

Verringerte Einnahme von Flüssigkeit und Nahrung

Gewöhnlich gibt es weniger Interesse am Essen und Trinken. Erlaube dem Sterbenden, das zu essen und zu trinken, was ihnen gefällt, aber jede Nahrung sollte langsam und in kleinen Portionen gegeben werden. Überlass es demjenigen, zu entscheiden, wie viel und wann sie essen und trinken wollen. Sei vorsichtig mit verringerten Schluckbewegungen, und zwinge keine Flüssigkeiten auf, wenn derjenige kurz darauf husten muss. Notwendige Schluckreflexe sind vielleicht träge. Kleine Stückchen von Eis oder gefrorene Säfte können im Mund erfrischend sein.
Der Körper des Menschen lässt ihn oder sie wissen, wenn er keine Nahrung oder Flüssigkeiten mehr wünscht oder erträgt. Der Verlust dieser Wünsche ist ein Signal, dass der/ diejenige sich darauf vorbereitet, zu gehen.
Dies ist kein schmerzhafter Vorgang. Austrocknung ist für sie nicht mehr unbequem. Glycerinstäbchen können die Lippen und den Mund feucht und angenehm halten. Auch ein kühler feuchter Waschlappen auf der Stirn kann als angenehm empfunden werden.

Verringertes Soziales Interesse

Der/ die Sterbende möchte vielleicht mit einer Person oder sehr wenigen Menschen allein sein. Sprechen ist oft langsam oder schwierig, oder der/ diejenige hat vielleicht überhaupt keine Möglichkeit mehr zu sprechen. Es ist natürlich, sich nicht nach sozialen Kontakten zu fühlen, wenn man sich schwach und erschöpft fühlt. Es kann für den Sterbenden sehr störend sein, wenn mehr als einige Menschen im Zimmer sind.
Denkt daran, Euch in der Betreuung abzuwechseln, aber haltet die Umgebung ruhig und still, und lass den Sterbenden wissen, dass es völlig in Ordnung ist, zu schlafen.

Schlafen

Der / die Sterbende verbringt vielleicht mehr und mehr Zeit schlafend und wird unkommunikativ, verbal unerreichbar, und ist manchmal schwer aufzuwecken. Diese normale Veränderung geschieht auch aufgrund der Veränderungen im Metabolismus der Körpers. Sitze bei dem Menschen, halte sanft seine/ ihre Hand, sprich ruhig und natürlich. An dieser Stelle ist es wichtiger, mit demjenigen zu „sein“, als etwas für denjenigen zu „tun“. Nimm niemals an, dass derjenige dich nicht hören kann; der Gehörsinn ist der letzte, der verloren geht. Der Sinn des Hörens bleibt meistens sehr akut, auch wenn derjenige zu schlafen scheint; sage also nichts in ihrer Gegenwart, das du nicht auch zu ihnen sagen würdest, wenn sie wach wären.

Ruhelosigkeit

Derjenige macht vielleicht ruhelose oder sich wiederholende Bewegungen, so wie am Laken oder an der Kleidung ziehen, oder hat vielleicht Vorstellungen von Menschen oder Dingen, die in unserer Wahrnehmung nicht da sind.
Diese Symptome könnten ein Ergebnis der verringerten Sauerstoffzufuhr im Gehirn und einer Veränderung im Metabolismus des Körpers sein. Sei nicht beunruhigt, versuche nicht einzugreifen oder solche Bewegungen zu unterbinden. Sprich sanft und beruhigend mit dem verwirrten Menschen, um ihn/ sie nicht noch mehr zu verwirren oder aufzuregen.


Massiere ganz leicht ihre Hände oder die Stirn, lies dem Sterbenden vor, oder spiel eine Musik, die du intuitiv als angebracht empfindest. Wenn du kannst, meditiere still an seiner/ ihrer Seite.

Desorientierung

Der/ die Sterbende scheint manchmal über Zeit, Ort, und die Identität der Menschen um ihn/ sie herum verwirrt zu sein. Gib dich mit deinem Namen zu erkennen, anstatt zu fragen, ob er / sie dich erkennt. In bewussten Momenten könnte der Sterbende über Menschen sprechen, die schon gestorben sind, oder sagen, dass er mit ihnen gesprochen hat, oder Orte sehen, die für dich gegenwärtig nicht sichtbar oder erkennbar sind. Dies ist keine Halluzination oder Reaktion auf Medikamente. Es bedeutet, dass der Mensch einen normalen Abschied vom Leben erlebt und sich auf den Übergang vorbereitet, damit er nicht so überwältigend sein wird.
Akzeptiere diese Übergangszeit. Es ist nicht nötig, dem zu widersprechen, zu rationalisieren, zu erklären, abzuschwächen, oder darüber zu argumentieren, was der Sterbende angibt zu sehen oder zu hören. Höre mit Respekt dem zu, was auch immer der/ diejenige zu sagen hat, erlaube einen völlig freien Ausdruck von Gefühlen, und biete Trost und deine Präsenz durch Berührung und/ oder ruhiges Sprechen, beruhigende Worte und Gesten an.

Inkontinenz

Der Sterbende verliert vielleicht die Kontrolle über Urin- und Darmausscheidung, wenn die Muskeln in diesem Bereich anfangen zu entspannen. Windeln oder Reinigungstücher helfen dabei, den Menschen und auch das Bett sauber zu halten, damit sich der Sterbende weiter wohl fühlt.

Verringerte Urinausscheidung

Die Urinausscheidung verringert sich normalerweise, wird konzentrierter, und bekommt eine teeähnliche Färbung. Dies geschieht aufgrund verringerter Flüssigkeitsaufnahme und einer verringerten Nieren- Zirkulation. Die Krankenbetreuung schlägt vielleicht vor, einen Katheter einzusetzen.

Atemveränderungen

Das normale Atemmuster kann sich mit dem Beginn eines anderen Atemrhythmus verändern. Der Atem kann flach werden, unregelmäßig, schnell oder ungewöhnlich langsam. Ein besonderes Atemmuster besteht aus unregelmäßigem Atem bei flacher Atmung, oder Zeiten ohne Atem von 5 – 30 Sekunden, die von einem tiefen Atemzug gefolgt werden. Der Sterbende kann auch Zeiten eines schnellen keuchenden Atems erleben. Manchmal gibt es beim Ausatmen einen stöhnenden Laut; dies ist keine Bedrängnis, sondern der Klang der Atemluft über den Stimmbändern.

Veränderte Atemmuster sind ganz normal für jemanden, der dem Tod im aktiven Sterben sehr nahe ist, und bedeuten einen verringerten Kreislauf in den inneren Organen und die Ansammlung von Körperabfallprodukten. Den Kopf höher zu legen und den Sterbenden auf die Seite zu legen, kann das Wohlbefinden verbessern.


Verschleimung

Orale Absonderungen können zunehmen und sich hinten in der Kehle ansammeln. Der Sterbende macht vielleicht gurgelnde Laute, die aus der Brust aufsteigen. Diese Klänge können laut und beunruhigend zu hören sein. Diese normalen Veränderungen kommen von einem Flüssigkeitsungleichgewicht und der Unfähigkeit, normale Verschleimung auszuhusten. Es ist hilfreich, den Kopf anzuheben oder den Kopf des Sterbenden mit Kissen anzuheben, so dass die Absonderungen sich tiefer sammeln und nicht den Würgereflex auslösen. Dreh den Kopf sanft zur Seite und lass die Schwerkraft die Verschleimung abfließen lassen. Du kannst auch den Mund sanft mit einem feuchten Tuch abwischen.

Farbveränderungen


Aufgrund von Veränderungen im Kreislauf werden die Arme und Beine vielleicht kalt, heiß, oder blass. Dies kann besonders in den Extremitäten auffällig sein, wo die Farbe sich in einen dunkleren bläulichen Ton verwandelt. Dies ist ein normaler Hinweis darauf, dass sich der Kreislauf mehr in das Innere zurückzieht, um die wichtigsten Organe zu unterstützen.

Unregelmäßige Temperaturen können das Ergebnis davon sein, dass das Gehirn unklare Botschaften sendet. Halte den Sterbenden warm, wenn sie zu frieren scheinen, aber benutze keine elektrische Heizdecke.

Wenn der Sterbende die Decke ständig wegschiebt, dann gib Ihnen ein leichtes Laken. Dies sind alles Folgen der Auflösung der Elemente, aus denen der Körper besteht, und es ist sehr hilfreich, sie zu erkennen und zu wissen, was derjenige erlebt und wirklich braucht. Schwitzen kann auftreten, und ein Geruch, der aufgrund der vielen physiologischen Veränderungen entsteht, die jetzt im Körper geschehen. Herzschlag und Puls erden vielleicht langsamer, schwächer und unregelmäßig.


Die Erlaubnis geben, zu gehen

Wenn jemand die Phase des aktiven Sterbens betritt, die letzten Tage oder auch nur Stunden, beginnt der Körper den Vorgang, langsam ( oder auch sehr schnell) abzuschalten, der beendet ist, wenn alle körperlichen Systeme aufhören zu funktionieren. Dies ist normalerweise ein geordneter und undramatischer Ablauf körperlicher Veränderungen, die kein medizinischer Notfall sind und keine eingreifenden Maßnahmen erfordern.
Diese körperlichen Veränderungen sind ein natürlicher Weg, auf dem der Körper sich selbst darauf vorbereitet, anzuhalten. Dieses Loslassen kann auch beinhalten, das abzuschließen, was an praktischen Dingen unerledigt geblieben ist, und die Erlaubnis von Familienmitgliedern oder Freunden zu suchen oder zu bekommen, loszulassen.

Ein Sterbender wird meistens versuchen, so lange wie möglich festzuhalten, auch wenn dies manchmal verlängertes Leiden mit sich bringt, um bestätigt zu bekommen, dass die Hinterbliebenen ohne sie/ ihn zurecht kommen werden. Die Fähigkeit einer Familie, den Sterbenden aufrichtig zu beruhigen und ihn von dieser Sorge zu befreien, ist ein großes Geschenk der Liebe, das sie ihm/ ihr zu diesem Zeitpunkt geben können.


Abschied nehmen

Wenn derjenige bereit ist zu sterben, und die Familie in der Lage ist, loszulassen, ist dies die Zeit, auf persönliche Weise Abschied zu nehmen. Es mag helfen, sich zu dem/ der Sterbenden zu legen, eine Hand zu halten, und alles auszusprechen, was du zu sagen hast. Tränen sind normal und ein natürlicher Teil des Abschieds, und müssen nicht versteckt oder entschuldigt werden. Tränen drücken unsere Liebe aus und helfen allen, loszulassen.

Allerdings könnten extreme Emotionen den Sterbenden sehr belasten, so wie jemandem, der auf eine große Urlaubsreise geht, der Abschied sehr schwer fällt, wenn die Zurückbleibenden nicht loslassen können. In diesem Fall ist es besser, für diese Emotionen an einen anderen Platz zu gehen, und ihnen dort Ausdruck zu verleihen, durch Schluchzen, Brüllen, Worte, durch eine Katharsis (seelische Reinigung). Natürlich wollen wir aber vor dem Sterbenden auch nicht unsere wahren Gefühle verstecken, und eine Maske der Fröhlichkeit aufsetzen, auch das wäre für den Sterbenden belastend und verwirrend. Eine subtile Balance zu finden ist für alle hilfreich. An anderer Stelle (in diesem Buch) gebe ich Hinweise, wie wir auf bewusste und sichere Weise mit überwältigenden Emotionen umgehen und sie freisetzen können.


Zur Zeit des Todes

Es kann hilfreich sein, dass die Familienmitglieder und nahe Freunde rechtzeitig darüber sprechen, was zu tun ist, wenn die letzten Momente näher kommen. Zum Zeitpunkt des Todes hört der Atem auf, der Herzschlag hält an, der Sterbende kann nicht mehr aufgeweckt werden, die Augenlider sind vielleicht teilweise geöffnet, die Augen sind starr, der Mund kann sich öffnen, wenn der Kiefer sich entspannt, vielleicht geschieht eine Darm- oder Blasenentleerung, wenn der Körper sich im Tod entspannt.


Der Tod eines Menschen im Hospiz oder zu Hause, auch wenn er ein trauriges Ereignis für Familie und Freunde ist, ist kein akuter medizinischer Notfall
.

Auch wenn du das Hospiz , das ev. für die ambulante Betreuung zuständig war, anrufen solltest, ist es nicht nötig, sofort den Arzt, die Polizei oder den Notrufzentrale anzurufen. Wenn der Tod geschehen ist, nimm dir die nötige Zeit, jemanden anzurufen, der dich unterstützt, oder dich auf die Situation seelisch einzustellen.
Es gibt keine Eile!   Für dich selbst zu sorgen ist jetzt viel wichtiger.




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