Einleitung

Die meisten Menschen, die in industrialisierten Kulturen leben, haben einen spirituellen Kontext sowohl für unser Leben als auch für unser Sterben völlig verloren. Die transformierenden Möglichkeiten, die menschlichem Leiden innewohnen, brauchen einen neuen Kontext ihrer Bedeutung, einen Rahmen, der aus dem Chaos einen Sinn und eine Ordnung entstehen lässt.

Veetman bietet in seinem Buch einen zusammenhängenden und tiefgehenden Rahmen, um über die spirituellen Aspekte des Sterbens nachzudenken und die mögliche Transformation des Sterbens zu verstehen. Deshalb ist dieses Buch ein wichtiger Teil der modernen Literatur über Tod und Sterben.

Veetman ist durch sein eigenen Erfahrungen mit transformierenden Bewusstseins-praktiken und seine Beobachtungen in der Begleitung Sterbender davon überzeugt, dass das menschliche Bewusstsein aus dem Urgrund des Seins entsteht, der mit Namen wie Gott, Christusbewusstsein, Einssein, Tao, usw. bezeichnet wird, und größer ist als unser Ego, und schließlich im Tod wieder dorthin zurückkehrt. Wenn der Tod näher kommt, wehrt sich das Ego machtvoll gegen die Auflösung, wird aber letztendlich von der heilenden Kraft im Urgrund des Seins transformiert, während das individuelle Selbst sich darauf vorbereitet, zu seiner Quelle zurückzukehren. Dieses Modell basiert auf Beobachtungen und Situationen, in denen der Tod erwartet wurde und es genügend Zeit gab, so dass seelische Entwicklungen geschehen konnten. Veetman lehrt, dass diese spirituellen Veränderungen selbst dann geschehen können, wenn die Umstände des Sterbens einer Transformation weniger förderlich sind.

Die heutige Medizin hat große Möglichkeiten in ihrer Fähigkeit, den Tod aufzuschieben, sie entwickelt grossartige Fähigkeiten der Schmerztherapie und für die Pflege des Körpers in dieser Zeit, aber sie hat fast keine Fähigkeiten in der Betreuung der Seele. Veetman´s Arbeit in diesem Buch ist ein großartiger Beitrag, um einen seelisch-spirituellen Weg zur Transzendenz zu zeigen, der in der Begleitung der Seele des Sterbenden angewandt werden kann, sowohl von Pflegekräften als auch von all denjenigen, die ihre geliebten Menschen zuhause begleiten möchten.



Veetman sagt uns, dass jeder, egal wie plötzlich er oder sie stirbt, und selbst wenn es erst in den letzten Momenten geschieht, in einer erfahrenen Gnade stirbt. Aber er ist sich dessen bewusst, dass in einigen Fällen überzogene medizinische Eingriffe es für den sterbenden Menschen viel schwerer machen können, sich auf die einströmende Gnade einzustellen, die in der Todesnähe geschieht. Medizinisches Personal fühlt sich wahrscheinlich mit der Tatsache des Todes so unwohl, dass sie die Wahrnehmung der spirituellen Transformation, die vor ihnen geschieht, herausfiltern.

Ein Nutzen des Buches kann der sein, dass es den helfenden Berufen helfen kann, die Wirklichkeit spiritueller Veränderungen genau so grundlegend zu akzeptieren wie Veränderungen des Blutdrucks.

Veetman geht es darum, die helfenden Berufe und alle Menschen, die Sterbende begleiten, dabei zu unterstützen, einen Weg dahin zu finden, dass sie als Begleiter eine mitfühlende tief menschliche Spiritualität für diejenigen entwickeln, die diese grundlegenden Veränderungen des Sterbens durchleben.


Seine Offenheit für die Verschiedenartigkeit der menschlichen spirituellen Erfahrungen ist ein besonderes Merkmal. Die auftretenden seelisch-spirituellen Phänomene sind ihrer Natur nach schwer in Worte zu fassen, denn viele verschiedene kulturelle Deutungen der gleichen Ereignisse sind möglich. Er ermutigt die Leser, ihre eigene spirituelle Wortwahl und sinnvolle Praktiken zu finden, wenn es darum geht, diese Einsichten in ihr Leben zu integrieren. Er beschreibt auch einige seiner bewegenden Erfahrungen mit Sterbenden.

Veetman macht klar, dass das Wachstum im Einheitsbewusstsein, das uns im Sterben aufgezwungen wird, bereits während unseres Lebens durch Meditation und andere spirituelle Praktiken aktiv gelebt werden kann. Er ermutigt die Leser, eine spirituelle Transformation in sich zuzulassen, um Bekanntschaft mit dem Urgrund des Seins zu machen, während wir mitten im Leben sind, und nicht erst an der Schwelle des Todes. Die Gnade im Sterben ist der Bewusstseinsweg, der uns zu einer Erkenntnis bringt, dass wir als unendliches grenzenloses Bewusstsein in diese Welt kamen und im Sterben uns an diese ursprüngliche. Einheit erinnern, unsere wahre Natur, die wir zu Beginn dieses Lebens unterdrücken und vergessen mussten, um zu überleben.

Die Phase des Chaos in der Erfahrung des näher kommenden Todes umfasst alle 5 Stadien des Modells von Kübler-Ross, (Verneinung, Ärger, Verhandeln, Depression, Akzeptieren), dehnt sie jedoch weiter aus. Veetman gibt den tiefen inneren Veränderungen , die geschehen, während die Persönlichkeit als Auswirkung der transpersonalen Kräfte neu strukturiert wird, eine andere Bedeutung.

Veetman nennt die Stadien des Sterbens Chaos, Hingabe und Transzendenz.

Die Phase des Chaos umfasst den Kampf des mentalen Ego um sein Dasein gegen hoffnungslose Umstände. Dieser Kampf wird nach und nach ersetzt durch Hingabe an eine
tiefer werdende Erfahrung eines Einheitsbewusstseins, während das Individuelle Selbst von heilender Energie aus dem Urgrund des Seins erfüllt wird.
Während der Tod näher kommt, löst sich die Dualität zwischen dem Selbst und dem Urgrund des Seins auf. Diese Bewusstseinsveränderung wird oft von denjenigen wahrgenommen, die mit Sterbenden arbeiten. Furcht und Angst werden von einem Gefühl der Sicherheit und Liebe ersetzt, und ein Gefühl von etwas Heiligem beginnt zu entstehen. Es ist diese positive Energie, die einen Sterbenden sagen ließ: Ich war niemals vorher lebendiger.
Und die lebensbejahenden Auswirkungen der Arbeit mit Sterbenden können nur von denjenigen verstanden werden, die lebendiger und bewusster geworden sind, weil sie dieses Geschenk der Gnade in Sterbenden beobachtet und erlebt haben.

„Was ich im Sterbeprozess vieler Menschen beobachtet und selbst erfahren habe, ist tief, transzendent, und außergewöhnlich. Mehr und mehr sterben Menschen in Innerlichkeit, Frieden und einem transformierten Bewusstsein, und strahlen eine Energie aus, die man nur spirituell nennen kann. Der Tod, wie sonst kein anderer Moment, dem wir im Leben begegnen, kündigt sich in wunderbarer Stille an. Der Tod ist so absolut, das die Begegnung mit ihm transformierend ist. Er löst die stärksten Gefühle aus: Schrecken, Ärger, große Faszination, und ein innerliches intuitives Erkennen von Befreiung.

Moderne spirituelle Weisheit macht deutlich, dass die Welt unseres gegenwärtigen Bewusstseins eine von vielen Bewusstseinswelten ist, die existieren, und dass diese anderen Welten Erfahrungen enthalten, die auch eine Bedeutung für unser Leben haben. Und auch wenn jene Erfahrungen und die der Welt voneinander getrennt bleiben, werden die beiden jedoch an bestimmten Punkten eins, und höhere Energien fließen hinein.

Es wird gesagt, dass der Tod ein Spiegel ist, in dem sich unser ganzes Leben widerspiegelt. Wenn wir in diesen Spiegel von Tod und Sterben schauen, finden wir ein klareres Bild unseres Selbst, ein klareres Bild der umfassenden Möglichkeiten des menschlichen Bewusstseins.

Indem wir unsere Einsichten in das vertiefen, was grundsätzlich als die unergründliche Natur von Tod und Sterben gesehen wird- im besonderen Wissen, dass die transformierende und transzendente Macht des Sterbens enthüllt- verstehen wir unsere Angst vor dem Tod und verlieren so unsere Angst vor Tod, Krankheit, Altern und Veränderungen. Der Tod bekommt eine tiefe spirituelle Bedeutung.



"  In meiner Beobachtung, nachdem ich mit vielen Menschen in ihrem Sterben gewesen bin, ist es deutlich geworden, dass der Tod einer jener Punkte ist, an dem höhere Energien dort einströmen, wo ein Einbruch alter Strukturen geschieht.

Weisheitstraditionen haben dies für Millionen von Jahren anerkannt. Im Westen hat eine Serie von Abhandlungen im Mittelalter , die sich auf die „Ars Moriendi“ bezogen, die Kunst des Sterbens, eine Art Landkarte der seelisch-spirituellen Transformation in christlichen Begriffen hervorgebracht. In der Kultur dieser Zeit gab es ein Vertrauen, dass der Tod, wie das Leben, eine Pilgerschaft war. Sterbende an der Schwelle zwischen Leben und Tod wurden als Wesen gesehen, die das Mysterium auf eine Weise sehen, die für diejenigen von uns in der Mitte des Lebens kaum möglich ist, sie wurden als Wesen gesehen, die auf ihrer Pilgerschaft schneller in spirituelle Dimensionen eintraten.

Im fernen Osten erschuf der tibetische Lama Padmasambhava im 8. Jahrhundert eine genaue Landkarte mit Erläuterungen des Sterbeprozesses im BARDO Thodol, dem tibetischen Totenbuch. Die Essenz seiner Lehre ist die, dass wir in der Auflösung des Sterbens über das persönliche Gefühl des Selbst und die Täuschungen des gewöhnlichen Bewusstseins hinausgehen. In dem Zwischenraum, der von dieser Bewegung erschaffen wird, wird die Natur der Wirklichkeit enthüllt, erfahren, und betreten. Die buddhistische Psychologie sieht das Sterben als den Moment an, wenn die grundsätzliche Natur des Geistes, die Essenz dessen, was wir sind, manchmal die große Helligkeit genannt, oder das klare Licht, sich ganz natürlich in ihrer unendlichen Schönheit zeigt.

Diese Standpunkte enthalten eine große Weisheit. Unsere Kultur hat viel von dieser Weisheit verloren, und wir sind erst dabei, sie wieder zu erlangen. Eine große Veränderung geschieht im menschlichen Bewusstsein über die Wahrnehmung von Tod und Sterben.

Diese Veränderung wurde von Elisabeth Kübler-Ross und anderen in Gang gebracht, die sich als erste dem Sterben als einem bisher unerforschten Bereich zuwandten. Diese Veränderung bekam weiteren Schwung durch die Hospizbewegung, die Aids- Epidemie, und die Fortschritte medizinischer Technologien, die die Möglichkeit von Nahtoder-fahrungen vergrössern.

Das bedeutsame Wiederaufleben von spirituellen Disziplinen und Praktiken im Westen, als auch eine allgemeine und evolutionäre Reife des menschlichen Bewusstseins haben ebenso zum Hervortreten der Studien von Tod und Sterben als einem Forschungsbereich beigetragen. Einstimmig wird der Tod als unser letztes Wachstumsstadium angesehen.

Diesen Studien von Tod und Sterben werden die Beobachtungen und Gedanken dieses Buches gewidmet, in der Hoffnung, dass wir mit etwas sorgfältiger Überprüfung, etwas Verstehen über die transformierenden Möglichkeiten der menschlichen Psyche, und dem Privileg unserer Inspiration beginnen werden, unsere eigene Weisheit über die Erfahrung des Sterbens auszudrücken, durch die wir alle gehen müssen.
Es ist Zeit, dass wir die seelisch-spirituelle Transformation, die im Sterbeprozess geschieht, in genauen Begriffen beobachten und beschreiben, die wir als unsere eigenen anerkennen.

In diesem Buch beschreibe ich die Erfahrung des Sterbens, indem ich die Transformation erforsche, die viele von uns erkennen, die mit Sterbenden arbeiten. Diese Transformationen scheinen zum Sterbeprozess ganz natürlich dazuzugehören. "

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Sterben- sich auflösen wie eine Schneeflocke in klarer Luft. Ebook, Verfasser: Veetman

Das Mysterium,
die Transformation
und die Gnade im Sterben


Veetman bringt in diesem bewegenden Buch Licht
in den Übergang unseres Lebens in den Tod.


Eine Botschaft von Klarheit, Mitgefühl,
Menschlichkeit und tröstender
spiritueller Weisheit.





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